

Webseite von Christian Urech
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Texte, Texte, Texte und ein paar Bilder

Ich hatte beim Verfassen dieser Arbeit hauptsächlich zwei Ziele im Sinn. Ich wollte darstellen, was
Sprache für den Menschen bedeutet, wie sie entstanden ist und auf welche Weise sie unsere
Wirklichkeit formt und unsere Sicht auf uns selbst, andere Menschen und die Welt bestimmt. Das
zweite Ziel bestand darin, herauszufinden, inwiefern eine KI wie ChatGPT für einen Schreiberling wie
mich nützlich sein kann. Macht sie menschliche Gehirnleistung am Ende gar überflüssig? Hier schon
mal die wichtigste Erkenntnis zu diesen Fragen vorweg: Ja, ChatGPT kann für einen Schriftsteller oder
eine Journalistin sehr nützlich sein, ein wichtiges Werkzeug, und nein, sie macht den Schreiberling
nicht überflüssig, eher im Gegenteil.
Ich lebe als freier Autor und Journalist zeitweise in Indonesien und beherrsche die Amtssprache
dieses Vielvölkerstaats, Bahasa Indonesia, inzwischen recht gut. Verschiedene Sprachen zu verstehen
und zu sprechen, erweitert das Denken und den Horizont ungemein und hilft, die Menschen und sich
selbst besser zu verstehen. Da ich eine Zeitlang als Deutschlehrer sowohl für Fremdsprachige als auch
für Muttersprachler (allerdings hauptsächlich solche mit einem sogenannten Migrationshintergrund)
tätig war, lernte ich die deutsche Sprache auch gleichsam von außen kennen und ihre Eigenheiten,
Schwierigkeiten und Fallstricke zu verstehen. Sprache hat mich schon immer fasziniert, aber erst
durch meine Lehrtätigkeit bin ich dieser Faszination definitiv auf die Schliche gekommen.
Sprache formt das Bewusstsein und durch die Sprache sind wir erst zu dem geworden, was uns vonden anderen Tieren unterscheidet: zum modernen Menschen, der sich selbst als Homo sapienssapiens bezeichnet, eine Selbstbenennung, die ich leicht übertrieben und auch etwas arrogant finde.Wie, wo, wann und warum wir zu sprechen begannen, kann uns auch die Wissenschaft nichtbeantworten, da sich die Ursprünge der Sprache im Nebel einer Vergangenheit verlieren, von der wirkeine Zeugnisse haben. Ich habe aber eine Vermutung, die ich sehr plausibel finde. Damit beginntmein Buch.Dies ist ganz explizit kein wissenschaftliches Fachbuch, sondern will ein Sachbuch für eine breiteLeserschaft sein. Ich versuche darzustellen, was Sprache überhaupt ist und warum sie eine soessenzielle Bedeutung für uns hat. In diesem Zusammenhang werfe ich einen vielleichtüberraschenden Seitenblick auf ein Naturprodukt, das gern als «Zauberpilz» bezeichnet wird.Im Hauptteil gehe ich darauf ein, wie wir Sprache gebrauchen und missbrauchen. Wie allesMenschliche hat auch die Sprache zwei Seiten, eine helle und eine dunkle, und welche Seite zumTragen kommt, hängt allein von uns ab, von der Art, wie der Mensch Gebrauch von ihr macht. Esgeht um rhetorische Tricks, um Sprache und Macht. Wenn wir die Tricks durchschauen, mit denenwir mittels Sprache gegängelt werden, fallen wir weniger auf sie herein. Das ist mir ein wichtigesAnliegen. Insofern ist dieses Buch auch politisch.Die Sprache ist aber auch eine riesige Schatztruhe, die es uns ermöglicht, alle denkbaren Geschichtenzu erzählen, sei es mündlich oder sei es, indem wir sie aufschreiben oder lesen. Die Geburtsstundeder Sprache war auch die Geburtsstunde der Literatur und der Kunst ganz generell. Darüber, wasgute Literatur oder Dichtkunst überhaupt ausmacht und was sie von anderen Formen desSprachgebrauchs unterscheidet, beschreibe ich in diesem Buch ebenfalls – und füge zahlreicheBeispiele dafür an. Im dritten Teil geht es darum, wie Dichter unter dem Einfluss von berauschendenSubstanzen umgegangen sind und umgehen. Nähereszum Aufbau des Buchs finden Sie imInhaltsverzeichnis, das ich als separates Dokument abgespeichert habe.Die Methode, die ich beim Verfassen dieses Buchs angewendet habe, ist einerseits die Rechercheund andererseits das Wühlen in eigenen Erfahrungen und Erkenntnissen, die ich mir natürlich auchnicht aus den Fingern saugen konnte, deren Quellen ich aber nicht mehr rekonstruieren kann. Lesen,Hören, Aufnehmen, Aufsaugen, Durchdenken – das alles gehört zum Prozess der Entstehung einesBuchs wie diesem. Die Recherchen erfolgten im Internet, in Büchern, Magazinartikeln, Blogs etc. Undich habe, wie schon erwähnt, eine Mitautorin oder einen Mitautor, die schon erwähnte KI ChatGPT,die weder ein biologisches noch ein soziales Geschlecht hat und von daher ein bisschen schwieriggendergerecht anzusprechen ist. Ich habe ihr oder ihm unzählige Fragen gestellt, die mir bei derRecherche weiterhalfen, dann versuchte ich die Informationen auszusieben, zu ergänzen und zuverifizieren, indem ich, wie im Journalismus üblich, mindestens zwei weitere, voneinanderunabhängige Quellen suchte. Manchmal führte eine Frage zu unzähligen weiteren Fragen, einProzess, der sehr interessant zu beobachten war; die meisten Informationen von ChatGPT warenziemlich hilfreich und enthielten erstaunlich wenige Falschinformationen1, auch wenn sie nichtimmer sehr präzis waren. Insofern war die Zusammenarbeit mit ihr/ihm hilfreich, weil die KI jeweilsdas gesamte Internet für mich durchkämmt und die wichtigsten Informationen zusammengetragenhat, die ich dann weiterverfolgen konnte.Beim Erstellen des Konzepts und dem Aufbau des Buchs ist die KI dagegen kaum von Nutzen. Auchwerden die Informationen in einer trockenen, um nicht zu sagen langweiligen Sprache auf einestereotype Weise präsentiert. Textbausteine der KI 1:1 zu übernehmen ist also keine gute Idee.Originelle Gedanken und witzige Einfälle sind von der KI auch nicht unbedingt zu erwarten. Dafür istdie KI geduldig und nachsichtig auch gegenüber den dümmsten Fragen und Bemerkungen. Sie folgtdem üblichen Textdreiklang Einleitung – Hauptteil mit Argumenten und Gegenargumenten - Fazit,der klassischen dialektischen Erörterung folgend. Wenn man ihr einen literarischen Text vorgibt, dermit Logik nicht unbedingt zu verstehen ist, wiederholt sie den Text einfach, wahrscheinlich ausRatlosigkeit.Insgesamt hat sich meine Haltung zu ChatGPT und ganz allgemein zur KI differenziert. Während ichihr vorher eher ablehnend gegenüberstand und sie schon fast dämonisierte, ist sie mir inzwischenbeinahe sympathisch geworden. Ich werde sie als Helferlein weiterhin nutzen, ohne die Angst habenzu müssen, sie mache mein Denken überflüssig.