• Christian Urech

In den Bergen (to be continued)


School: Supertranp

I can see you in the morning when you go to school

Don't forget your books, you know you've got to learn the golden rule

Teacher tells you stop your play and get on with your work

And be like Johnnie – too-good, don't you know he never shirks he's coming along!

After School is over you're playing in the park

Don't be out too late, don't let it get too dark

They tell you not to hang around and learn what life's about

And grow up just like them – won't you let it work it out and you're full of doubt

Don't do this and don't do that

What are they trying to do?

Make a good boy of you

Do they know where it's at?

Don't criticise, they're old and wise

Do as they tell you to Don't want the devil to

Come and put out your eyes

Maybe I'm mistaken expecting you to fight

Or maybe I'm just crazy, I don't know wrong from right

But while I am still living I've just got this to say

It's always up to you if you want to be that want to see that want to see it that way – you're coming along!

Ich kann euch sehen, wenn ihr morgens zur Schule geht.

Vergesst nicht eure Bücher!

Ihr wisst, ihr müsst die goldene Regel lernen.

Die Lehrer sagen euch, ihr sollt aufhören zu spielen und lieber zusehen, dass ihr mit eurer Arbeit vorankommt, und so werden wie John, der Streber.

Ja, der drückt sich nie, wisst ihr das nicht?

Der kommt gut klar! Wenn die Schule vorbei ist, spielt ihr im Park.

Bleibt nicht zu lange draussen, und wartet nicht erst ab, bis es dunkel wird.

Alle sagen euch, ihr sollt nicht rumhängen, sondern endlich den Ernst des Lebens kennenlernen und erwachsen werden, so wie sie.

Sie lassen euch nichts selbst ausprobieren. Und ihr seid total verunsichert.

Tut dies nicht, tut das nicht!

Was wollen sie damit bezwecken?

Einen guten Jungen aus dir machen.

Wissen die denn überhaupt, was das ist?

Kritisiere sie nicht, sie sind alt und weise.

Mach, was sie dir sagen.

Oder willst du, dass der Teufel kommt und dir die Augen rauskratzt?

Vielleicht ist es falsch, wenn ich von euch erwarte, dass ihr euch wehrt.

Vielleicht bin ich ja auch einfach nur verrückt und kann nicht richtig von falsch unterscheiden.

Aber solange ich noch lebe, habe ich nur das eine zu sagen:

Es ist ganz allein eure Entscheidung, ob ihr so sein wollt und ob ihr die Sache genauso sehen wollt.

Ihr kommt schon zurecht!

Als Kind konnte ich nie so recht daran glauben, dass ich ein Kind sein sollte. Wenn ich mein Spiegelbild sah, erschrak ich: Dieser Wicht da, diese paar Kilo Menschlein, sollte mein Ich, das mir doch als so riesengrosse Last erschien, schon damals, beinhalten? Genauso, wie ich später einmal nicht würde glauben wollen, dass dieser ältere und dann alte und uralte welke Körper diese kindlich junge Seele, die übersprudeln wollte vor Lebenslust, tragen sollte. In der Schule war ich ein Fremder. Ich sprach nicht die richtige Sprache. Ich sass in der Klasse, hörte aber nicht dem Lehrer zu, sondern schaute aus dem Fenster. Vor dem Fenster war das Leben, davon wollte ich lernen. Es gab in der Klasse ein Mädchen, das mich faszinierte. Sie war hoch aufgeschossen, wie ein ungeduldiges Gemüse, das es nicht erwarten kann, erntereif zu sein und dann auf irgendeinem unwürdigen Esstisch zu landen. Ich verehrte sie, ich weiss nicht warum. Im Turnunterricht trug sie Schühchen aus Leder oder sowas, das sich kräuselte wie die Oberfläche eines Sees im Morgenwind. Immer, wenn ich mich auf einem See befand im kräuselnden Morgenwind, musste ich an das Mädchen denken und fühlte mich erotisch sehr stimuliert.

Ich hatte Freunde in diesem Dorf. Ich hatte einen Freund, der mich zu lieben schien, damals mit etwa neun. Er umhalste mich, küsste mich, zog mich in einem Karren die Strasse zur Schule hoch, nachdem ich mir beim Skifahren das Bein gebrochen hatte und mit meinem eingegipsten Bein nicht mehr alleine gehen konnte.

Aber dann, eines Tages, wandten sich sämtliche Schüler meiner Klasse plötzlich gegen mich. Ich hatte keine Ahnung, warum. Wahrscheinlich einfach deshalb, weil ich der Fremde war. Fremd zu sein, ist Grund genug, gehasst zu werden. Plötzlich stand ich in einem Kreis von wütenden Bestien, von aggressiven Hunden, die mich zerfleischen wollten. Natürlich dachte ich nicht im entferntesten daran, mich kampflos der Meute zu ergeben. Ich schlug um mich, ich kämpfte wie ein Verrückter, wie ein Verzweifelter, und verrückt, verzweifelt war ich ja zweifellos. Die Jungs, allen voran ein grosser grobschlächtiger Junge mit einer sadistischen Fresse, droschen auf mich ein, überwältigten mich, rissen mir die Kleider vom Leib, stiessen mir erst kleine, dann immer grössere Äste in der Arsch, bevor sie ihre Schwänze hervorholten. Nachdem sie mich einer nach dem anderen vergewaltigt hatten, stellten sie sich über mich, um mich anzuspucken und anzupissen und mich auszulachen. Schliesslich liessen sie mich einfach im Dreck liegen.

Am schlimmsten war, dass sich auch mein so genannter Freund an dieser Orgie des Hasses beteiligt hatte. Er hatte mir also nicht nur nicht geholfen, sondern war sogar besonders eifrig mit von der Partie gewesen.

Ich verliess den schrecklichen Ort noch am selben Tag, ohne mich von meinen Pflegeeltern zu verabschieden. Ich war wie von Sinnen, meine Trauer und meine Wut waren so viel grösser als ich, ich konnte einfach nicht damit umgehen. Ich lebte ungefähr eine Woche im Wald, ernährte mich von nichts oder vielleicht von Erde, Nüssen, Blättern, Wurzeln, ich achtete nicht darauf und habe folglich auch keine Erinnerung daran. Dann wurde ich eingefangen wie ein wildes Tier.

Die Obrigkeit steckte mich in ein Heim. Meine Pflegeeltern wollten mich natürlich nicht mehr bei sich haben. In diesem Heim, das von wohlmeinenden Patres geführt wurde, fühlte ich mich einigermassen wohl. Hier wurde ich zumindest geliebt, wenn auch nicht unbedingt wegen meiner unschuldigen Seele. Ich hatte einen makellosen engelhaften Körper, der sowohl meine Mitgefangenen als auch meine Bewacher entzückte. So wurde ich von hinten bis vorn umworben und umgarnt, und ich hatte den Dreh schnell raus, wie ich daraus meinen Profit ziehen konnte. Kurz, ich wurde nur allzu bereitwillig zu einem raffinierten Bürschchen, einem Teufel mit dem Erscheinungsbild eines Unschuldslamms. Ja, ich wurde böse, ich hatte immer noch diese furchtbare Wut in mir, und ich wollte böse sein. Ich glaubte an nichts als an den Hass.


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