• Christian Urech

Der Sinn des Lebens


Was ist der Sinn des Lebens? Die philosophische Frage par excellence. Ich habe mir diese Frage mein ganzes Leben lang gestellt. Und sie immer wieder ein bisschen anders beantwortet. Aber eins war mir immer klar: Der Sinn des Lebens besteht darin, zu lernen. Wobei ich mit Lernen nicht meine, kiloweise Bücher zu lesen oder gescheite Theorien zu bunkern (obwohl ich, zumindest was die Bücher betrifft, nicht wahnsinnig zurückhaltend war. Aber ich habe, seit ich nicht mehr in die Schule gehe, immer aus Interesse gelesen und mit der Gewissheit, dass ich Fakten und Theorien sowieso bald vergessen haben werde). Man könnte auch sagen: Der Sinn des Lebens ist die Neugierde, der Wissensdurst, der mir hoffentlich bis zu meinem Tod nicht abhanden kommen wird. Er darf mir nicht abhanden kommen! Schliesslich kommt der Höhepunkt zuletzt – ich bin auch (oder: vor allem) neugierig auf meinen Tod (natürlich habe ich auch ein bisschen Angst – aber die Lebenserfahrung hat mich gelehrt, dass Angst zu jeder neuen Erfahrung dazugehört). Ich bin überzeugt davon, dass das Erleben des Todes – wie dasjenige der Geburt – zu den Schlüsselerfahrungen des Lebens gehört.

Was ist der Sinn des Lebens? Die Öffnung des kleinen Selbst für die unendliche Grösse der Welt, die Öffnung des Menschen für das Andere, das uns umgibt. Es ist bestimmt nicht der Sinn des Lebens, uns einzukapseln, einzuigeln. Es ist für mich definitiv der Sinn des Lebens zu erkennen, dass man bekommt, indem man gibt. Angst ist zwar ein guter lebenspraktischer Ratgeber, aber wenig nützlich, wenn es darum geht, zu erkennen, was der Sinn des Lebens ist. Der Sinn des Lebens ist Offenheit – meine Offenheit für die Schönheit und den Schrecken der Welt und ihrer Lebewesen.

Der Sinn des Lebens besteht auch darin, von den Tieren zu lernen. (Das lass ich jetzt einfach mal kommentarlos so stehen – soll sich doch jede seine eigenen Gedanken dazu machen.)


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