• Christian Urech

Mein Senf zu allem


Populismus

Zu Populismus kommt mir als allererstes die Redensart «Dem Volk nach dem Maul reden» in den Sinn. Da stellt sich natürlich sofort die Frage: Wer ist «das Volk»? Und wie oder was denkt das Volk? Zunächst einmal: Das Volk, das sind wir, und zwar ausdrücklich und explizit wir im Gegensatz zu den anderen, den Fremden, den Störenfrieden, den Sündenböcken, den Parasiten, den Scheininvaliden, den Flüchtlingen und andern Eindringlingen, den entarteten Künstlern, den Widernatürlichen, den Undisziplinierten, den Unangepassten, den faulen Hunden, den Feinden. Und die anderen, das sind auch die geheimnisvollen Eliten, die intellektuellen Besserwisser, die Linken und Gutmenschen, die geheimen Strippenzieher, die abgehobenen Kunstschaffenden, Professoren und Richter, Illuminaten und jüdische Weltverschwörer. Zeichen des Populismus sind auch gezielt gestreute Widersprüchlichkeiten, der Milliardär, der vorgibt, die Sache der «kleinen Leute» zu vertreten, der Sexist, der sich für eine strengere Sexualmoral und gegen Abtreibung starkmacht, es bedeutet, den Freiheitsgedanken zu vertreten und gleichzeitig Zero-Tolerance gegen Kleinkriminelle zu praktizieren. Ein anderes Kennzeichen des Populismus besteht in der Taktik, einfach einmal etwas zu behaupten, ohne dass es mit Fakten belegt wird (das überlässt man den Eliten), oder auch hemmungslos zu lügen (resp. «alternative Fakten» zu verbreiten) – ohne die geringste Scheu, der Lüge überführt werden. Jemand wird das, was ich behaupte, schon glauben (wollen). Und sowieso lügen alle Politikerinnen und Politiker, darüber regen sich bloss «Gutmenschen» auf. Politisch unkorrekt zu sein, wird als gezielte Provokation eingesetzt. Auch ist jeder Art von Populismus ein rassistisches Element inhärent, was vom Populisten auch gar nicht wirklich bestritten wird. Donald Trump stört es nicht, mit Hitler verglichen zu werden, im Gegenteil, er freut sich darüber.


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