• Christian Urech

Mein Senf zu allem


Wirtschaft

Wenn mein Grossvater an Wirtschaft dachte, dann dachte er an eine Beiz. In der Beiz gab es Oktobertee oder sauren Most. Heute ist Wirtschaft etwas Kompliziertes. Für Laien sowieso, aber auch für Spezialisten. Wirtschaft bestimmt zwar unser Leben, aber niemand versteht sie. Wirtschaft ist ein kompliziertes Zusammenspiel. Es gab einmal eine Zeit, da glaubte man entweder an den Kapitalismus oder den Kommunismus, oder, in seiner abgeschwächten Form und als eine Art «Zwischenstufe», an Sozialismus. Dann war der real existierende Sozialismus am Ende, der Kommunismus implodierte – und man glaubte eine sehr kurze Zeit nur noch an den Kapitalismus mit der Vorsilbe «Neo», den andere als «Raubtier-» oder «Casinokapitalismus» interpretierten. Das Ende der Geschichte schien angebrochen – ein ebenso naiver wie idealistischer Gedanke. Heute glaubt, mit Ausnahme von ein paar ganz Hartgesottenen, punkto Wirtschaft niemand mehr an etwas – auch wenn sie noch so tun mögen, als glaubten sie daran. Die Säkularisierung ist also bei uns nicht nur im Religiösen, sondern auch im Wirtschaftlichen angekommen. Kurz, es herrscht die grosse Ratlosigkeit – und, weil das so ist, der hemmungslose Egoismus. Gut ist jetzt nur noch, was mir selber nützt – eine jämmerliche Ideologie, unter uns gesagt.


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