• Christian Urech

Mein Senf zu allem


Gott (2)

Ob es einen Gott gibt, ist nicht die Frage. Das finden wir sowieso nie heraus. Selbst Theologen glauben heute nicht mehr an den Gottesbeweis. Die Frage ist vielmehr: Brauchen wir einen Gott und wenn ja, welchen? Das ist keine religiöse, sondern eine soziologische oder allenfalls psychologische Frage, und ja, eigentlich brauchen wir einen Gott, weil die Gläubigen die gesünderen, optimistischeren, glücklicheren Menschen sind, das hat die Psychologie herausgefunden, und nein, eigentlich brauchen wir keinen, denn ein Gott vernebelt uns das Hirn, Stichwort: Opium fürs Volk. In religiösem Sinn mag Jesus unser Geliebter sein, was ich unbedingt respektieren möchte – Gott ist aber viel öfter ein Problemverursacher als ein Problemlöser, wenn wir uns Gott als soziologische oder gar politische Grösse denken. Die Aussage, dass früher alles viel einfacher war, stimmt zumindest mit Bezug auf die Frage nach Gott, weil diese Frage früher keine Frage war, sondern eine Tatsache begründete – in den meisten Fällen. Nur besonders problematische Naturen zweifelten an Selbstverständlichkeiten wie zum Beispiel Himmel und Hölle. Und heute gibt es eben keine Selbstverständlichkeiten mehr. Wir haben Himmel und Hölle auf die Erde geholt, und natürlich – der Menschennatur entsprechend – viel eher die Hölle als den Himmel.


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